Rückschläge Ende der 90er Jahre

Optimistisch und gestärkt von den Erfolgen des laufenden Jahres, gingen die Ökodemokraten in den Wahlkampf 1998. Neben der Bundestagswahl standen bayerische Landtagswahlen an und die ödp hoffte, von ihrem gestiegenen Bekanntheitsgrad bei den Wählerinnen und Wählern profitieren zu können. Zwar kandidierten auch erstmals die Freien Wähler, die in der bayerischen Kommunalpolitik fest verwurzelt sind, als starke Konkurrenten in der Gruppe der kleinen Parteien, die ödp-Spitze gab sich jedoch optimistisch. Am 13. September 1998 votierten aber nur 1,8 Prozent der bayerischen Wähler für die ödp. „Dieses Resultat ist insofern die wohl größte Niederlage, als dass nicht nur parteinahe Auguren der Partei für diesen Urnengang den Durchbruch prophezeiten, optimistische sogar den Einzug in den Landtag." Die Freien Wähler kamen auf 3,7 Prozent der Stimmen. Offensichtlich war es der ödp nicht gelungen, kommunalpolitische und direktdemokratische Erfolge in ein gutes Landtagswahlergebnis umzuwandeln.

Zur Bundestagswahl im Herbst 1998 entschieden sich nur 0,2 Prozent der Wähler für die ödp, bei der Europawahl im Juni 1999 nur 0,4 Prozent. Auch bei den Landtagswahlen in den Jahren 1998 und 1999 musste die ödp Niederlagen einstecken. Lediglich eine Klage der nordrhein-westfälischen ödp vor dem Verfassungsgerichtshof in Münster sorgte für einen kleinen politischen Erfolg in dieser Zeit. Inhalt der erfolgreichen Klage war die Forderung, die Fünf-Prozent-Hürde auf kommunaler Ebene abzuschaffen. Bei der darauffolgenden Kommunalwahl konnte die ödp ihre Mandate versechsfachen und beispielsweise in Bottrop zur drittstärksten Fraktion aufsteigen.

Die Serie der Misserfolge in den späten neunziger Jahren führten zu einer neuerlichen Krise in der ödp. Zwar setzte die Partei weiter auf personelle Konstanz, der Bundesvorstand strebte aber danach, die ödp im politischen Spektrum neu zu positionieren. Die Vorschläge reichten von Attributen wie „wertkonservativ" bis hin zum Versuch der Übernahme neuer politischer Strömungen aus den USA. So entdeckte der Bundesvorstand den Kommunitarismus für sich und versuchte, die Parteibasis für diese Ideen zu gewinnen. Diese Vorschläge fanden insgesamt jedoch wenig Zustimmung.

Anfang des Jahres 2000 wurde von einigen ödp-Mitgliedern der Ruf laut, Kooperationen in Bayern sowohl mit Bündnis 90/Die Grünen als auch mit den Freien Wählern anzustreben, um für die Landtagswahlen 2003 ein Bündnis der drei Gruppierungen zu bilden. Eine Strategiedebatte auf einem kleinen Parteitag im Januar 2000 in Regensburg zeigte jedoch deutlich die Abneigung der ödp-Basis gegen diese Bündnisse.

Im November 2000 musste der Bundesvorstand um Susanne Bachmaier die Konsequenzen aus den Niederlagen der vergangenen Jahre ziehen und trat fast geschlossen zurück. „Vor allem aus den großen Landesverbänden kamen etliche Rücktrittsforderungen, denen Frau Bachmaier nicht mehr standhalten konnte." Neuer Bundesvorsitzender wurde Uwe Dolata, Wirtschaftskriminalist aus Würzburg. Zu seinen Stellvertretern wählten die Delegierten Erich Rupp aus Reutlingen und Klaus Buchner aus München.

weiter zur ödp nach der Jahrtausendwende